Expert View published at 10/06/2016

Digitalisierung verändert IT-Organisation im Unternehmen – aktiv gestalten oder passiv hinnehmen?

by Andreas Zilch, Lead Advisor – SVP User Business

Durch Digitalisierung wird IT immer wichtiger und dies ist von den Geschäftsleitungen klar erkannt. Neben Technologie und Prozessen erfordert dies auch einige organisatorische Veränderungen – Aufwertung der IT-Abteilung oder Gründung neuer „Digital Business Units“. Die Entscheidungskriterien für beide Alternativen sind vielfältig und müssen genau analysiert und bewertet werden. 


Expert View Level: Operational

Sectors concerned: All

Topics covered: IT management, Offshore & Global Sourcing

Degree of urgency: Medium

Languages: german, english (click here)


Die „Digitalisierung“ ist als wichtiges Thema mittlerweile bei den deutschen Unternehmen angekommen – auch und gerade im Mittelstand. Nicht nur die IT-Bereiche beschäftigen sich mit den Möglichkeiten durch neue Technologien und Prozesse, sondern insbesondere auch die Geschäftsleitungen erkennen die Notwendigkeit, Chancen und teilweise auch Risiken der Digitalisierung.

Neben Geschäftsmodell, technologischen und prozessualen Fragestellungen sind organisatorische Veränderungen auch ein wichtiges Teilgebiet der zukünftigen Digitalisierungsstrategie. Ein Treiber dieser zukünftigen Entwicklung ist sicher die Informationstechnologie, was auch eine organisatorische Einordnung der „Digitalisierung“ im Bereich der IT-Abteilung nahelegt. Andererseits hat die IT-Abteilung im Unternehmen vielfältige Aufgaben, die mit „run the business“ charakterisiert werden, z.B. den soliden, störungsfreien und kosteneffektiven Betrieb des ERP (SAP) Backbone. Daher wird oft bezweifelt, ob eine IT-Abteilung in der heutigen Ausprägung die Dynamik und Flexibilität für eine erfolgreiche Gestaltung und Umsetzung der Digitalisierung im Unternehmen erfüllen kann.

Eine weitere Möglichkeit ist, eine wichtige Fachabteilung (z.B. die Produktion) mit der Umsetzung der Digitalisierungs-Strategie zu beauftragen. Diese starke Fachabteilung hat zwar wahrscheinlich das nötige Durchsetzungsvermögen, wird aber nicht die Gesamtsicht auf das Thema Digitalisierung und übergreifende Prozesse haben und deshalb nur suboptimale Ergebnisse liefern. 

Der Dritte Ansatz – über den nach unserer PAC Abschätzung ca. 60 der Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern in Deutschland intensiv nachdenken – ist die Gründung einer neuen „Digital Business Unit“, welche direkt an die Geschäftsführung berichtet. Die Unabhängigkeit und damit potentiell hohe Flexibilität spricht für eine starke Umsetzungskraft dieses Modells, auch muss man wenig Rücksicht auf „Altlasten“ nehmen. Dieser Umstand birgt aber auch ein Risiko – durch zuviel Unabhängigkeit kann die Integration mit bestehenden Geschäftsmodellen, Prozessen und Systemen komplett verloren gehen – manchmal ist aber gerade auch dies gewünscht. Die neuen DBUs werden oft in einer eigenen Rechtsform gegründet und auch geographisch von Unternehmenssitz getrennt.

Aus Sicht der IT-Abteilung wäre diese Entwicklung nicht positiv – da die IT-Abteilung dann weitgehend auf den Betrieb der bestehenden Systeme reduziert würde und auch bei IT- getriebenen Innovationen nur als ausführendes Organ eingesetzt würde.

Da aber sowohl der Technologie Einsatz, die Vernetzung und die Integration horizontaler Prozesse über Unternehmensgrenzen hinaus zu den Domänen der IT-Abteilung gehört (oder zumindest gehören sollte) halten wir als PAC ein Organisationsmodell mit einer starken Rolle der IT-Abteilung für optimal.

Dies ist in folgendem Org-Chart grundsätzlich dargestellt: 

Dem heutigen CIO (Chief Information Officer) wird damit auch das Thema „Innovation“ zugeordnet und er mutiert damit zum CIIO (Chief Information & Innovation Officer). Da die Herausforderung der unterschiedlichen Anforderungen zu „Stabilität“, Dynamik“ und „Geschwindigkeit“ bleibt, werden auch dediziert zwei unterschiedliche Bereiche gebildet, welche nach unterschiedlichen KPIs gemessen und geführt werden.

Bottom Line:

Unternehmen müssen sich darüber bewusst sein, dass die digitale Transformation auch organisatorische Veränderungen impliziert. Diese müssen gut durchdacht werden, wobei PAC eine führende Rolle des IT-Bereichs empfiehlt.